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Freitag, 19. März 2010, 20.00 Uhr
DISTRICT 9
Deutscher Titel: District 9
Deutscher Titel: District 9
Vielfach preisgekrönter Science-Fiction-Film mit
Sharlto Copley, Jason Cope, David James, Vanessa Haywood
Chefkameramann: Trent Opaloch Musik: Clinton Shorter Producer: Peter Jackson, Carolynne Cunningham Regie: Neill Blomkamp Neuseeland 2008, 112 Min. Englischsprachige Originalversion
Wie wäre es, wenn es wirkliches außerirdisches Leben gäbe? Und was wäre, wenn Außerirdische eines Tages die Erde erreichten, dort strandeten und zu Opfern einer menschlichen Gesellschaft würden, die die Fremden aus Bequemlichkeit und mangels Verständnis in ein Getto steckte, weil die Integration der Aliens einem jahrelangen, mühseligen Prozeß gleichkäme? Genau dieses Szenario hat der südafrikanische Regisseur und Visual Effects Artist Neill Blomkamp in seinem ersten Langspielfilm umgesetzt und mit Hilfe seines Producers Peter Jackson (“The Lord of the Rings“) eines der originellsten und politischsten Science-Fiction-Epen der letzten Jahre geschaffen, das die Kritiker zu Lobeshymnen animierte. Kaum einer ging bisher so weit, die genreübliche Frage, was Aliens wohl Böses vorhaben, in ihr Gegenteil zu verwandeln.
Was werden wir, die Menschen, ihnen antun? “Allein wegen der
Konsequenz, mit der Blomkamp dieser Frage nachgeht, wird sich sein
Film “District 9“ in die Filmgeschichte eintragen“ (Film-Dienst).
Apartheid gegen Aliens
Joburg, wir haben ein Problem ... Eine Begegnung der dritten Art, ein close encounter of the third kind, nicht in einer der Metropolen der Welt, New York oder London oder Moskau, die mit Events solcher Größenordnung Erfahrung haben, sondern in Südafrika, in Johannesburg. Ein riesiges Raumschiff taucht in den Achtzigern am Himmel über der Stadt auf, mit einer gewaltigen Besatzung an Bord. Ein paar Jahrzehnte später hängt es immer noch dort am Himmel, in seiner majestätischen Hilflosigkeit, und rostet vor sich hin in der trüben Luft, und die Millionen Fremdlinge sind in einem jämmerlichen Township untergebracht, District 9. Es steckt enormes Potential in dieser Situation, für soziale Spannungen, politische Intrigen und emotionale Konflikte, für Eskalation und Explosion. "District 9" war [...] der Überraschungshit des amerikanischen Kinospätsommers. Er setzte sich mit 37 Millionen Dollar Wochenend-Einspiel an die Spitze der laufenden Filme [...] Zum Erfolg an der Kinokasse kam der Jubel der amerikanischen Filmkritik - von den simpelsten Blogs bis zum gediegenen “Time Magazine“ wurde die Vermutung immer wieder geäußert, dies sei wohl der beste Sommerfilm gewesen und einer der besten Filme des Jahres dazu. Der Regisseur, Neill Blomkamp, wurde im September dreißig. Peter Jackson hat ihm den Film finanziert - nachdem der Junge ein paar Jahre bei ihm in Neuseeland an der Verfilmung des Videospiels "Halo" gearbeitet hatte. Es ist die beste Begegnung eines etablierten und eines jungen Filmemachers, von Erfahrung und Unbefangenheit, seitdem Howard Hawks 1951 Christian Nyby betreute bei dem SF-Klassiker "The Thing from Another World". "District 9“ hat das, was man mit dem ziemlich abgenutzten Begriff Coolness bezeichnen muß. Er bringt ein Gefühl von Freiheit und Spontaneität rüber, wie es heute wohl nur das Genrekino fertigbringt. Die Spontaneität, eine Geschichte mit den phantastischsten Volten zu erzählen und dabei ganz dicht an der Wirklichkeit zu bleiben. Die Freiheit, mal wieder einen Film zu entdecken, wirklich zu entdecken, ohne den Schraubstock der PR, der einen gnadenlos konditioniert und dirigiert.
Wikus Van De Merwe (Sharlto Copley), Mitarbeiter des Konzerns Multi National United,
wird zum großen Grenzgänger zwischen den Menschen und den Außerirdischen
Es sind jämmerliche, dumpfbackige Figuren, nur mit den allernötigsten Computertricks animiert, ungelenke schwarze Klappergestelle, mit ledrigen, schuppigen Gesichtern und schlitzigen Augen. Wo normale Lebewesen eine Nase haben, ringeln sich bei ihnen diverse Wurmfortsätze, aus dem Mund quillt dunkle aschige Flüssigkeit, sie röcheln konsonantisch knackige Sätze, wie man sie aus verschiedenen Buschsprachen kennt. Prawns werden sie im Volksmund genannt, weil sie an Krustazeen erinnern, an Krebsgetier. Der legendäre Hollywood-Kiemenmensch, die Creature from the Black Lagoon, ist eine elegante Schönheit im Vergleich zu ihnen. Diese Fremden sind nicht vermittel- und nicht integrierbar, die südafrikanische und die internationale Gesellschaft will nichts mit ihnen zu tun haben. Sie torkeln unmotiviert durch trostlose, mülldurchsetzte Hinterhöfe und Nebenstraßen. Sie stellen ein Problem dar, ein Migrantenproblem, von dem es Dutzende aktueller Fälle gibt an Europas Küsten. Dies ist ein irgendwie alltäglicher Rassismus, der vom Prinzip der Menschlichkeit nur bedingt erfaßt werden kann, eine nationale Politik, die ohne Bedenken in Gewaltaktionen mündet und die Fremden brutal zum Experimentiermaterial macht, dazu marodierende nigerianische Banden, die sich dem Waffenhandel und der Prostitution verschrieben haben. Das ist Apartheid nach der Apartheid, Post- und Hyperapartheid, die nun auch die einstigen Opfer, die Schwarzen, erfaßt - die Aliens sind gewissermaßen die Schwarzen der Schwarzen. Auch am Ende dieses Films ist der von jeglicher Realität abgehobene Gedanke einer politischen Korrektheit ad absurdum geführt. Als er nach einigen Jahren nach Joburg zurückkam, erzählt Neill Blomkamp, der mit achtzehn nach Vancouver ging, habe er diese neue gesellschaftliche Situation mitbekommen. Durch die Eskalation der Gewalt in Zimbabwe sind Millionen von dort nach Südafrika geflohen, illegale Immigranten, verzweifelte Heimatlose, potentielle billige Arbeitskräfte, die von den Einheimischen als bedrohliches Potential angesehen wurden. "Schwarz gegen schwarz", sagt Neill Blomkamp, "das war die Stimmung. Johannesburg fraß sich selber auf, bei lebendigem Leibe." Von all dem erzählt der Film, nicht demonstrativ wie in einer Geschichtsstunde, sondern in einem Geflecht von emotionalen, komischen, horrenden, in ihrem Schrecken immer surrealen Momenten - die furios alle möglichen Unwahrscheinlichkeiten und Löcher in der Konstruktion überlagern. Das Genrekino als soziologisches Modell, Science-Fiction direkt auf die Straßen von Johannesburg gepflanzt. In seinem Kurzfilm "Alive in Joburg" - auf YouTube zu sehen - hat Neill Blomkamp das schon mal im kleinen Maßstab durchgespielt, mit borathafter Ungeniertheit. Die Joburger wollen die Fremden raushaben aus dem District 9, die Regierung beauftragt die Firma MNU (Multi-National United, zu der einem verschiedene amerikanische Firmen einfallen, die in den USA in den letzten Jahren die Gunst der Regierung gewonnen haben) mit der Umsiedlung irgendwo vor die Stadt - das Modell dafür liefern die Zwangsräumungen unter dem weißen Apartheid-Regime vor Jahrzehnten. Diese Operation zeigt der erste Teil des Films, in einer verwackelten und verhuschten Pseudodokumentation aus TV-Kommentaren, Bürgerstatements, Nachrichtenbildern und Aufnahmen von Überwachungskameras. Man erlebt die Aggression, die Irritation, die Verzweiflung, die Absurdität - die Aliens sollen mit ihrer Unterschrift die eigene Zwangsumsiedlung signieren. Mittendrin in diesem aberwitzigen Geschehen ist der Angestellte Wikus Van De Merwe, der dummerweise der Schwiegersohn des MNU-Chefs ist. Ein Gutmensch, mehr unbedarft als naiv, ein Rassist trotz freundlichster Absichten, ein "Afrikaans"-Bürokrat, sagt Neill Blomkamp. Wikus wird im Verlauf seiner Arbeit infiziert, er fängt an, sich in einen Fremden zu verwandeln. Er schafft es nicht wirklich zur Identifikationsfigur, beim besten Willen nicht. Aber man erlebt an ihm das ganze Geheimnis des Genrekinos, das lässig feste Positionen aufweicht. Die körperliche Zersetzung, der Wikus sich ausgesetzt sieht, die Verwandlung ins Unmenschliche - man weiß es von Kafka - hat auch ein Moment der Befreiung. Der Schrecken der Infektion und ihrer körperlichen Zerstörungskraft macht einen schließlich unabhängig vom Terror des gesellschaftlichen Systems, der Konformität, der Identität. So frei war in der Tat bis dahin nur sein Gegenspieler, der hartgesottene Top-Jäger bei MNU. Das ist schon klasse, sagt der in aller Offenheit, ich werde dafür bezahlt, daß ich das tue, was mir Spaß macht. Er meint die Jagd auf die prawns, im Dienste der Gesellschaft. Das Kesseltreiben, das Töten.
Sharlto Copley als Wikus Van De Merwe
District 9 delivers its genre pleasures efficiently, pitting its mismatched renegade protagonists against nefarious authorities and offering a series of perilous escapes, battles fought with impressively outré weapons, and regular doses of grotesque body horror. Echoes of earlier science-fiction action pictures - Alien Nation, Independence Day, The Fly, Aliens, RoboCop, Minority Report - are plentiful. […] There are plenty of locally specific attributes to District 9, from the use of muti medicine as a plot point to the design of the aliens, whose insect-like appearance and slang name (‘prawns’) evoke the ‘Parkside prawn’, a type of cricket that infests an affluent area of Johannesburg. It’s hard to separate the film’s resonant but ambiguous allegorical quality - a staple of interesting SF - from its setting. Initially the ’prawns’ seem a fairly obvious analogue for black South Africans, especially under apartheid: they are barred from participation in large parts of society and live in townships subjected to violent raids by the authorities. The clicks of their language even suggest Xhosa. But there are ways in which these newcomers, with their sophisticated yet useless technology and inability to return ‘home’, map on to Afrikaners. […]
Auszeichnungen (Auswahl)
In den USA: New Generation Award und LAFCA Award der Los Angeles Film Critics Association; Preis der Chicago Film Critics Association für den vielversprechendsten Filmemacher; Preis der Boston Society of Film Critics für den besten neuen Filmemacher; Preis der Austin Film Critics Association für den besten Debütfilm; Vincent Koehler Award des Kansas City Film Critics Circle für den “herausragenden Science-Fiction-, Fantasy- oder Horrorfilm“; Preis der Visual Effects Society in der Kategorie “Compositing in einem Spielfilm“; Oscar-Nominierungen in den Kategorien Bester Film des Jahres, Adaptiertes Drehbuch, Visual Effects und Schnitt; Nominierung für den Golden-Globe-Preis in der Kategorie Drehbuch - Film; Top-Ten-Liste des National Board of Review für Independent-Filme. - In Großbritannien: Nominierungen für den Preis der British Academy of Film and Television Arts in den Kategorien Regie, Adaptiertes Drehbuch, Kamera, Produktionsdesign, Special Visual Effects, Schnitt und Sound. Im Vorprogramm: Bob
3D-Computertrickfilm, 3 Min.: Ein Hamster auf der Jagd nach seiner Liebe - rund um die Welt.
Deutschland 2009. Film von Jacob Frey (Idee, Buch, Sets, Animation, Compositing) und Harry Fast (Storyboard, Character Design, Animation, Compositing). Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg GmbH. Producer: Anna Matacz. |